Freiräume als Orte des Erinnerns in der Übersicht

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1900-2012

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Grabanlage Adolph Ellenburg, um 1900 Entwurf u. Ausführung Herrnberg & Seemann; in: Ausgeführte Grabdenkmäler und Grabsteine, 100 Tafeln, Ernst Wasmuth Verlag, Berlin 1900, Tafel 3

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Adolph Ellenburg, Feld A 1

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Grabanlage Adolph Ehrlich, um 1900 Entwurf u. Ausführung Herrnberg & Seemann; in: Ausgeführte Grabdenkmäler und Grabsteine, 100 Tafeln, Ernst Wasmuth Verlag, Berlin 1900, Tafel 10

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Adolph Ehrlich, restauriert 1999: Marmorreinigung, Erneuerung der Blechkuppel, Mauer Feld C 1

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Grabanlage Albert Ascher Michaelis, um 1900 Entwurf August Orth, Ausführung Hofsteinmetzmeister Otto Metzing; in: Ausgeführte Grabdenkmäler und Grabsteine, 100 Tafeln, Ernst Wasmuth Verlag, Berlin 1900, Tafel 5

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Albert Ascher Michaelis, Grabmalsicherung durch ein Notdach 1996, Mauer Feld C 1

Grabmale im Wechsel der Zeiten

In Weißensee gab es eine Vielzahl von Grabanlagen mit aufwändig gestalteten Architekturen und Einfassungen aus Eisenkunstguss. Heute sind nur noch wenige Beispiele der Eisenkunst des späten 19. Jahrhunderts auf dem Friedhof erhalten, da diese Metallarbeiten – wie auch auf anderen Friedhöfen - bei den Aktionen zur Verstärkung der Metallreserven für die Kriegswirtschaft von 1942/43 verschrottet wurden.

 

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Jüdischer Friedhof Weißensee

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC Der Eingangsbereich mit der Gedenkanlage für die Opfer der Shoa

Hier wird an die Ermordeten in den Vernichtungslagern erinnert, die kein Grab fanden, weil ihre Asche verstreut wurde.

 

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC Ehrenreihe, Feld A 1

In den ersten Reihen von Feld A und G wurde eine Ehrenreihe angelegt. Hier ruhen Rabbiner, Rabbinatsassessoren (Beisitzer im Rabbinatsgericht) und deren Ehefrauen sowie Personen, die sich um die Gemeinde und das Judentum verdient gemacht haben.

 

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC Erbbegräbnisreihe an der östlichen Friedhofsmauer

 

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC Erbbegräbnisreihe an der nordwestlichen Friedhofsmauer

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC Einer der mit Bäumen bestandenen Friedhofswege

 

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC Platzanlage im Wegesystem des Friedhofs mit repräsentativen Erbbegräbnissen

 

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC Ehrenfeld für die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC Standort der zerstörten Neuen Trauerhalle

Erbaut 1910 nach dem Entwurf des Gemeindearchitekten Johann Hoeniger (1850-1913) ungefähr in Friedhofsmitte, abgebrannt nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg. Die Ruine wurde 1980 abgetragen und die Reste mit einem Erdhügel überschüttet.

© 2009 Fiona Laudamus | HORTEC Eines der 130 Grabfelder auf dem Friedhof

©  HORTEC | HORTEC Übersichtsplan des Friedhofs mit Grabfeldbezeichnung

(Quelle: Jüdische Gemeinde zu Berlin, Verwaltung Friedhof Weissensee)

Zeitblende Stories

Das Ehrenfeld

Denkmalpflegeprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) 2006-2012

Ehrengrabstätten

Denkmalschutz-Sonderprogramm "Dach und Fach" 1996-2003

Grabmalentwürfe namhafter Architekten und Künstler

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Belegungsplan für das Ehrenfeld, undatiert, vermutlich 1920er Jahre
(Quelle: Jüdische Gemeinde zu Berlin, Verwaltung Friedhof Weissensee)

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Das zentrale Denkmal des Ehrenfelds

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Das Ehrenfeld

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges ließ die Jüdische Gemeinde 1914/15 hinter der neuen Trauerhalle ein Ehrenfeld für die gefallenen jüdischen Soldaten nach einem Entwurf des Gemeindebaumeisters Alexander Beer (1873-1944) anlegen. Das 49 x 90 Meter große Gelände wird von einer aus Rüdersdorfer Kalkstein gefertigten Mauer eingefasst. Insgesamt 394 jüdische Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, darunter auch an den Spätfolgen ihrer Verletzungen Verstorbene - die letzte Beisetzung eines Kriegsinvaliden war 1941 -, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Das 1926 aufgestellte, drei Meter hohe zentrale Denkmal in Form eines mächtigen Altars mit dem ruhenden Löwen über der Inschrift auf der Vorderseite stiftete der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten (RjF).

 

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Grabanlage Alexander Löwenherz (Feld A 3) vor der Restaurierung, 2006

© 2006 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Alexander Löwenherz (Feld A 3) nach der Restaurierung, 2006

© 2006 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Simon Bing (Mauer A 1) vor der Restaurierung, 2006

© 2006 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Simon Bing (Mauer A 1) nach der Restaurierung, 2007

© 2007 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Louis Steinthal (Feld B 1) vor der Restaurierung, 2007

© 2007 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Louis Steinthal (Feld B 1) nach der Restaurierung, 2008

© 2008 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Adolph Behrendt (Mauer U 2) vor der Restaurierung, 2008

© 2008 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Adolph Behrendt (Mauer U 2) nach der Restaurierung, 2009

© 2009 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Ephraim Cohn (Feld C 1) vor der Restaurierung, 2010

© 2010 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Ephraim Cohn (Feld C 1) nach der Restaurierung, 2010

© 2010 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Hermann Rosenfeld (Mauer Feld W.T.) vor der Restaurierung, 2010

© 2010 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Hermann Rosenfeld (Mauer Feld W.T.) nach der Restaurierung, 2011

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Gustav Frenkel (Mauer B 1) vor der Restaurierung, 2012

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Denkmalpflegeprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) 2006-2012

Nach dem Denkmalschutz-Sonderprogramm "Dach und Fach" kommen seit 2006 Fördermittel zur Instandsetzung von Grabmalen auf dem Friedhof aus dem Denkmalpflegeprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zur Substanzerhaltung und Restaurierung von Kulturdenkmälern von nationaler Bedeutung. Hier beträgt die maximale Förderung von Denkmalen in den neuen Ländern und Ost-Berlin sieben Jahre, so dass der Friedhof bis 2012 Unterstützung in der Restaurierungsarbeit erhält. Insgesamt konnten mit dem Programm 36 wertvolle Grabanlagen mit einem Gesamtvolumen von ca. 0,98 Mio. Euro gesichert und restauriert werden.

Die Restaurierungsschwerpunkte lagen entlang der Hauptwege an den Mauern der Ostseite (Felder P 2 und U 2) und der Nordwestseite (Felder A 1, B 1 und C 1) bei den Erbbegräbnisreihen, die in ihrem Bestand stark gefährdet und vom Einsturz bedroht waren. Die Einsturzbedrohung war vor allem von einem starken Baumaufwuchs zwischen Mauer und Grabmal verursacht, dessen Wurzelwerk sich wie ein Keil zwischen Grabmale und Mauer gedrängt und ganze Grabmale zum Einsturz gebracht hatte. Ein weiterer Restaurierungsschwerpunkt war die Sicherung und Erhaltung von Grabanlagen mit Metallkonstruktionen des späten 19. Jahrhunderts, wovon es nur wenige erhaltene Beispiele auf dem Friedhof gibt, die nicht – wie viele andere Metallarbeiten - bei den Aktionen zur Verstärkung der Metallreserven für die Kriegswirtschaft von 1942/43 verschrottet wurden. Zu den restaurierten Grabanlagen gehören u.a.: 2006: Alexander Löwenherz (Feld A 3); 2007: Simon Bing (Mauer A 1); 2008: Louis Steinthal (Feld B 1); 2009: Adolph Behrendt (Mauer U 2); 2010: Ephraim Cohn (Feld C 1); 2011: Hermann Rosenfeld (Mauer W.T.); 2012: Gustav Frenkel (Mauer B 1).

 

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Ehrengrabstätte für den Verleger Samuel Fischer, Feld J 4

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Ehrengrabstätte für den Berliner Ehrenbürger und Sanitätsrat Ferdinand Strassmann, Mauer Feld A 1

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Ehrengrabstätte für den Journalisten und Chefredakteur Theodor Wolff, Feld A 1/Reihe 10

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Ehrengrabstätten

Neben den Plätzen in der Ehrenreihe, mit denen die Jüdische Gemeinde zu Berlin verdienstvolle Mitglieder auszeichnete, sind auf dem Friedhof Weißensee 16 Ehrengrabstätten des Landes Berlin ausgewiesen, die zeigen, welchen Beitrag jüdische Mitbürger am Gemeinwohl der Stadt Berlin in den vergangenen Jahrhunderten geleistet haben.

Hierzu gehören: Dr. Hans Aronson (1865-1919), Wissenschaftler, Arzt, Stifter des Aronson-Preises, Mauer Feld A 5; Herbert Baum (1912-1942 ermordet), Widerstandskämpfer, Feld P I/Ehrenplatz; Oskar Cassel (1849-1923), Ehrenbürger, Rechtsanwalt, Abgeordneter im Preußischen Landtag, Feld G 1-Ehrenr.; Samuel Fischer (1859-1934), Buchhändler, Verleger, Feld J 4; Adolf Jandorf (1870-1932), Warenhausgründer (u.a. das KaDeWe), Mauer Feld T 2; Berthold Kempinski (1843-1910), Weinhändler, Hotelier, Feld T 2; Prof. Dr. Louis Lewin (1850-1929), Pharmakologe, Toxikologe, Feld M 1; Lina "Suppen-Lina" Morgenstern (1830-1909), Gründerin mehrerer mildtätiger Einrichtungen; Feld U 1/Reihe 11; Rudolf Mosse (1843-1920), Verleger, Herausgeber von Zeitungen und Zeitschriften, Mauer Feld M 1; Benno Orenstein (1851-1926), Mitbegründer der Firma Orenstein & Koppel, Feld W. T.; Dr. Arno Philippsthal (1887-1933), eines der ersten Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung, Feld H 7/Reihe 30; Markus Reich (1844-1911), Gründer und Leiter einer Taubstummenanstalt, Feld U 1/Reihe 15; Dr. Ferdinand Straßmann (1838-1931), Ehrenbürger, Gynäkologe, Mauer Feld A 1; HermannTietz (1837-1907), Gründer eines Warenhauses in der Leipziger Straße im Jahr 1900, aus dem sich später der Hertie-Konzern entwickelte, Feld O 2; Lesser Ury (1861-1931), Maler, Impressionist, Feld G 1/Ehrenreihe; Theodor Wolff (1868-1943), Journalist, Verteidiger von Dreyfus, starb infolge KZ-Aufenthalt, A 1/Reihe 10.

 

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Grabanlage Sigmund Aschrott, Entwurf: Bruno Schmitz, restauriert 1996, Feld C 2

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Katz-Lachmann, Entwurf: Louis Lachmann, restauriert 1996, Mauer Feld W.T.

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Katz-Lachmann, Innenraum mit blauem Oberlicht

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Albert Ascher Michaelis, Grabmalsicherung durch ein Notdach 1996, Mauer Feld C 1

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Mecklenburg, restauriert 1997, Mauer Feld V 1

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Jacques Heymann Goldschmidt, restauriert 1998, Feld S 2

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Oswald Berliner, restauriert 1999, Mauer Feld W.T.

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Theodor David, restauriert 1999, Feld J 2

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Adolph Ehrlich, restauriert 1999: Marmorreinigung, Erneuerung der Blechkuppel, Mauer Feld C 1

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Moritz Israel, restauriert 1999, Feld M 1

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Lewinsohn-Netter, restauriert 2000, Feld B 2

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Albert Pinkuss, restauriert 2001, Feld S 4

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Otto Adam, restauriert 2002, Feld K 2

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Siegmund Borchardt, restauriert 2002, Feld C 2

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabanlage Georg Wihelm Arnstaedt, Entwurf: Architekt Friedrich Blau, restauriert 2003, Feld S 2

© 2011 Sabine Ringkamp | ringkamp kommunikationsdesign

Denkmalschutz-Sonderprogramm "Dach und Fach" 1996-2003

Mit dem 1996 aufgelegten Denkmalschutz-Sonderprogramm "Dach und Fach" beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zur Sicherung und zum Erhalt von Baudenkmälern konnten bis zur Einstellung des Förderprogramms im Jahr 2003 über 40 wertvolle Grabanlagen mit einem Gesamtvolumen von ca. 1,7 Millionen Euro gesichert und restauriert werden.

Zu den restaurierten Grabanlagen gehören u.a.: 1996: Sigmund Aschrott (Feld C 2), Katz-Lachmann (Mauer W.T.), Albert Ascher Michaelis (Mauer C 1); 1997: Mecklenburg (Mauer V 1); 1998: Jacques Heymann Goldschmidt (Feld S 2); 1999: Oswald Berliner (Mauer W.T.), Theodor David (Feld J 2), Adolph Ehrlich (Mauer C 1), Moritz Israel (Feld M 1); 2000: Lewinsohn-Netter (Feld B 2); 2001: Albert Pinkuss (Feld S 4); 2002: Otto Adam (Feld K 2), Siegmund Borchardt (Feld C 2); 2003: Georg Wilhelm Arnstaedt (Feld S 2).

 

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Grabmal Aschrott, Entwurf Bruno Schmitz

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Michaelis, Entwurf August Orth

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Panofsky, Entwurf Ludwig Hoffmann u. Fritz Naager

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Frenkel, Entwurf Alfred Messel

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Becker, Entwurf Martin Dülfer

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Mendel, Entwurf Walter Gropius

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Cohn, Entwurf Otto Stichling

© 2011 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Wolfsohn, Entwurf Otto Stichling

© 2012 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Bieber, Entwurf Hans Dammann

© 2009 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmalentwürfe namhafter Architekten und Künstler

Das größte Mausoleum auf dem Friedhof für den Bankier Sigmund Aschrott (Feld C 2) geht im Entwurf auf Bruno Schmitz (1858-1916) zurück, von dem auch die größten deutschen Denkmale stammen: das Kyffhäuser-Denkmal, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Der Kaufmann Ascher Albert Michaelis und seine Frau Cäcilie, geb. Friedemann (1827-1907), ruhen zusammen mit weiteren Angehörigen der Familien Meyer und Michaelis unter einer aufwändigen Grabarchitektur (Mauer Feld C 1). Der Architekt August Orth (1828-1901) entwarf 1884 diesen der Eckposition hervorragend anpassten Grabbau im Stil der italienischen Hochrenaissance. Der Entwurf für das Erbbegräbnis Eugen Panofsky stammt von dem Bildhauer Franz Naager (1870-1942) und dem Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann (1852-1932), der von 1896 bis 1924 in dieser Funktion das Berliner Bauwesen mitbestimmte. Das in sparsamen Renaissanceformen gestaltete Wandgrab vereinigt in gelungener Weise den Wunsch nach Repräsentation mit gediegener Zurückhaltung.

Das Erbbegräbnis Gustav Frenkel (Mauer B 1) ist das erste realisierte Projekt des Architekten Alfred Messel (1853-1909), der später u.a. mit seinen Warenhausbauten für Wertheim am Leipziger Platz (im Zweiten Weltkrieg zerstört) Ruhm erlangte. Der Entwurf für das in klaren, kubistischen Formen errichtete Erbbegräbnis der Familie Becker (Mauer Feld E 2) stammt von dem Dresdner Architekten Martin Dülfer (1859-1942), der vor allem für seine Theaterbauten, z. B. das Stadttheater in Duisburg, bekannt ist. Eine der künstlerisch bedeutendsten Grabanlagen auf dem Friedhof schuf der Architekt Walter Gropius (1883-1969) für den Kaufmann Albert Mendel (Feld P 4). Otto Stichling (1866-1912) ist als Künstler mit verschiedenen Grabmalen auf Berliner Friedhöfen vertreten, in Weißensee gehören zu seinem Werk die Grabmale für den Bankier Alfred Cohn (Feld R 2) – der Entwurf wurde 1904 auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt - und Ignaz Wolfsohn (Mauer Feld M 2) sowie für Henriette Kalischer (Feld J 2, ohne Abbildung). Von dem Bildhauer Hans Dammann (1867-1942) sind für Weißensee zwölf Grabmalentwürfe bekannt, stellvertretend sei hier das Grabmal für den Theaterdirektor Carl Bieber (Feld H 4) genannt. In der gestalterischen Ausführung bemerkenswert sind die in Galvanoarbeit gefertigten seitlichen Festons, die aus Büscheln von Eichen- und Lorbeerblättern gebunden sind. Das Grabmal konnte 2007 mit Bundes- und Landesmitteln restauriert werden.

 

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Jüdischer Friedhof Weißensee


Berlin besitzt mit über 240 Friedhöfen die vermutlich höchste Friedhofsdichte europäischer Metropolen. Der unter Denkmalschutz stehende Jüdische Friedhof in Weißensee ist heute nicht nur der ausgedehnteste innerstädtische Begräbnisplatz Berlins, sondern mit gut 43 Hektar zugleich der flächenmäßig größte jüdische Friedhof Europas. Seine einmalige Bedeutung verdankt er aber nicht nur dieser Tatsache und seinem künstlerisch bemerkenswerten Grabmalbestand, sondern vor allem der engen Verknüpfung mit dem Schicksal der jüdischen Bürger Berlins. Auf dem Friedhof in Weißensee ruhen Männer und Frauen, die sich durch außerordentliche Leistungen in Medizin und anderen Natur- und Geisteswissenschaften, Bildender Kunst, Literatur und Publizistik, Technik, Industrie und Handel oder der Kommunalpolitik bleibende Verdienste erworben haben.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin erwirbt um 1875/76 ein ca. 40 Hektar großes Gelände an der Lothringenstraße (heute Herbert-Baum-Straße) in Weißensee und schreibt im Frühjahr 1878 unter den Mitgliedern des Berliner Architektenvereins einen Wettbewerb für die Gestaltung des neuen Friedhofes aus. Den Wettbewerb gewinnt der Architekt Hugo Licht, späterer Stadtbaurat von Leipzig. Nach dem Entwurf von Hugo Licht werden in den folgenden zwei Jahren aus gelbem Backstein die Trauerhalle, das Leichenhaus und das Bürogebäude am Eingang an der Lothringenstraße erbaut. Auch die Gesamtgestaltung mit den 130 Grabfeldern und dem variationsreichen Wegesystem mit den zahlreichen Plätzen geht auf Hugo Lichts Entwurf zurück.

Auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee haben seit seiner Einweihung am 9. September 1880 über 115.000 Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ein jüdischer Friedhof ist für die Ewigkeit angelegt, er wird daher auch Bet ha-olam, Ort der Ewigkeit, genannt.

Wie auf kaum einem anderen Berliner Friedhof kann man in Weißensee die Entwicklung der Sepulkralkunst von 1880 bis etwa 1939 anhand unterschiedlichster und teilweise außerordentlich qualitätvoller Beispiele verfolgen. Bekannt sind u.a. vielfach sehr aufwendige Grabgestaltungen der Architekten Erdmann & Spindler, Lachmann & Zauber, August Orth, Bruno Schmitz, Alfred Messel, Ludwig Hoffmann, Martin Dülfer und Walter Gropius, der Bildhauer Otto Stichling und Hans Dammann.

Der Friedhof wird bis heute von den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Berlin als Begräbnisstätte genutzt; für die überwältigende Mehrheit der vor 1945 angelegten Gräber gibt es aber infolge der Auslöschung ganzer Familien während der Shoa keine Angehörigen mehr. Diese Grabmäler wären ohne Engagement der heute Lebenden dem Verfall preisgegeben. Dank der Unterstützung des Landesdenkmalamtes Berlin konnten in den vergangenen 20 Jahren mit Bundes- und Landesmitteln teilweise sehr umfangreiche Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten an über 80 Grabanlagen ausgeführt werden. Zudem sind gleichfalls mit Bundes- und Landesmitteln weite Strecken der historischen Einfassungsmauer des Friedhofs saniert worden.


Sehenswürdigkeiten • Attraktionen

Auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee befinden sich 16 Ehrengrabstätten des Landes Berlin.


Dieser Beitrag wurde verfasst von Fiona Laudamus | HORTEC Garten- und Landschaftsplanung, Gartendenkmalpflege, Stadtplanung, Projektentwicklung


Quellenangaben

Jüdische Gemeinde zu Berlin (Hrsg.): Der Jüdische Friedhof Weißensee, Berlin. Ein Rundgang zu ausgewählten Grabstätten. Bearbeitet von Jörg Kuhn, Fiona Laudamus und Regina Borgmann, mit einem Vorwort von Klaus von Krosigk und einer Einführung von Wolfgang Gottschalk, Berlin 2011


© 2012 Alle Rechte vorbehalten. • Letzte Aktualisierung am 29.08.2012.

Adresse

Herbert-Baum-Str. 45
13088 Berlin (Weißensee)

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Zugang / Eintrittspreise

Sollten Sie den Friedhof besuchen wollen, möchten wir Sie noch auf einiges als Besucher aufmerksam machen:

Die Herren mögen bitte ihren Kopf bedecken. Am Eingang des Friedhofes wird dafür leihweise gerne eine Kippa zur Verfügung gestellt.

Denken Sie bitte bei jedem Besuch daran, jeder Tote ist in seinem Grab allgegenwärtig, gemäß dem Buch Hiob, Psalm 5,2, "Ich lag im Schlaf, jedoch mein Herz blieb wach". So ist alles erlaubt, was die Toten ehrt und alles verboten, was die Ruhe der Toten stört. Treten Sie bitte nicht auf die Gräber und setzen Sie sich auch nicht auf die Grabsteine, denn dieser Ort soll nicht entweiht werden und letztendlich gehören die Gräber denen, die dort beigesetzt sind.

Öffnungszeiten

Sommer: 01.04. – 30.09.

Mo – Do 7:30 – 17:00
Fr 7:30 – 14:30
So 8:00 – 17:00

Winter: 01.10. – 31.03.

Mo – Do 7:30 – 16:00
Fr 7:30 – 14:30
So 8:00 – 16:00

Schabbat (Samstag) und jüdische Feiertage geschlossen

Anfahrt

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Projektdaten

Größe 43 ha

Auftraggeber
Jüdische Gemeinde zu Berlin
Friedhofsverwaltung
Herbert-Baum-Str. 45
13088 Berlin

Weitere Informationen (Links)

Leitsystem historische jüdische Friedhöfe Berlin

Für die jüdischen Friedhöfe Weißensee, Schönhauser Allee und Große Hamburger Straße wurde 2011 mit Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin ein elektronisches Leitsystem entwickelt. Für Smartphones kann unter www.juedische-friedhoefe-berlin.mobi oder www.juedische-friedhoefe-berlin.de nun ein »elektronischer Rundgang« heruntergeladen werden. Das Smartphone wird mit dem GPS-Ortungssystem verbunden und führt damit die Besucher/innen zu ausgewählten Gräbern.

Planung & Konzeption

HORTEC
Dipl.-Ing. (arch) Freie Landschaftsarchitektin Christa Ringkamp

Meierottostr. 7
10719 Berlin

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