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Gedenkstätte der Sozialisten, Zentralfriedhof Friedrichsfelde

©  Hermann Mächtig | Archiv Friedhofsverwaltung Friedhofsplan von 1887, Entwurf Hermann Mächtig

Der im Mai 1881 seiner Bestimmung übergebene Zentralfriedhof Friedrichsfelde beruht auf Entwürfen des Berliner Stadtgartendirektors Hermann Mächtig (1837-1909). Die Gestaltung des Areals zu einem Parkfriedhof erfolgte gemeinsam mit dem Königlichen Gartenbaudirektor Axel Fintelmann (1848-1907). Sie orientierten sich bei der Anlage des Friedhofs an dem 1877 eröffneten und als Landschaftspark gestalteten Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.

 

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner Gedenkstätte der Sozialisten

Die 1951 eingeweihte Gedenkstätte der Sozialisten im Eingangsbereich des Friedhofs entstand auf Initiative des ersten Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck.

 

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner Gräberanlage Pergolenweg

Die Gräberanlage Pergolenweg stellt räumlich den Übergang zwischen der Gedenkstätte und der Achse zur Feierhalle dar. Der Name "Pergolenweg" stammt von einer früher hier vorhandenen Pergola-Anlage. Die ersten Beisetzungen erfolgten ab 1951, heute haben mehr als 520 Personen in der Gräberanlage ihre letzte Ruhestätte. Die Anlage umfasst 337 Urnen-Grabstellen, die für jeweils vier Urnen vorgesehen sind. Neue Nutzungsrechte werden nicht mehr vergeben, jedoch können in bestehenden Grabstellen Angehörige dort Bestatteter mit beigesetzt werden.

© 2007 Holger Hübner | Holger Hübner Die Pflasterstraße – ein Haupterschließungsweg auf dem Friedhof

 

© 2007 Holger Hübner | Holger Hübner Künstlergräber

In dieser Reihe der 8. Urnenabteilung befinden sich die Grabstätten einiger bedeutender Künstler und Kulturschaffenden.

 

© 2007 Holger Hübner | Holger Hübner Die von Kastanien bestandene Mittelallee

Von der Bedeutung Friedrichsfeldes für das gutsituierte Bürgertum zeugen heute noch einige Grabanlagen entlang der Mittelallee hinter der 1890 – 1893 erbauten Feierhalle.

 

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner Die Feierhalle

Die nach einem Entwurf Hermann Blankensteins 1890-1893 erbaute Feierhalle in Friedrichsfelde wurde 1945 derart stark beschädigt, dass der Wiederaufbau in den 1950er Jahren nur noch in vereinfachter Form möglich war, d.h. der ehemalige Zentralbau präsentiert sich heute mit nüchterner, verputzter Fassade und ohne die Rundkuppel. Ab 1978 wurde die Feierhalle durch Helmut Hennig und Johann Hassdenteufel modernisiert. Aus dieser Zeit stammt auch der Glasgemäldezyklus in den vier länglichen Rechteckfenstern und den beiden großen Rundfenstern nach einem Entwurf von Walter Wichmann und ausgeführt von Katharina Peschel.

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner Weg unterhalb der Feierhalle

 

© 2005 Fiona Laudamus | HORTEC Standort der ehemaligen Urnenhalle

Auf dem Rondell hinter der Feierhalle stand früher die Urnenhalle, erbaut im Jahr 1890 auf Kosten des "Vereins für Feuerbestattung". Der Verein engagierte sich für die Zulassung der Feuerbestattung, die in Preußen erst 1911 mit der Verabschiedung des Feuerbestattungsgesetzes erlaubt war. Bis 1891 besaß einzig die Stadt Gotha ein Krematorium. Das erste Krematorium in Berlin wurde 1912 in der Gerichtstraße in Wedding eingeweiht.

 

© 2004 Fiona Laudamus | HORTEC Erinnerungsmal am Standort des 1935 zerstörten Revolutionsdenkmals

1983 wurde nach einem Entwurf des Architekten Günter Stahn am Standort des Revolutionsdenkmals von 1926 ein Erinnerungsmal errichtet. Der Bildhauer Gerhard Thieme gestaltete die Bronzeplatte, die als Relief das ursprüngliche Monument wiedergibt.

 

© 2007 Holger Hübner | Holger Hübner Gräberanlage für Opfer des Faschismus und Verfolgte des Naziregimes

Der Ehrenhain für Verfolgte des Naziregimes, der auch als Ehrenhain für Opfer des Faschismus (OdF-Ehrenhain) bezeichnet wird, geht auf einen Beschluss des Magistrats von Berlin aus dem Jahr 1975 zurück. Damals wurde die Einrichtung von Ehrenhainen für "Verfolgte des Naziregimes, Revolutionäre und verdiente Persönlichkeiten" auf fünf Ost-Berliner Friedhöfen veranlasst. Einer dieser Ehrenhaine konnte auf dem Zentralfriedhof auf jener Erweiterungsfläche angelegt werden, die dem Friedhofsareal Ende der 1940er Jahre hinzugefügt wurde. Den Beginn der Gräberanlage markiert eine aus Ziegeln gemauerte Stele, die den roten Winkel der politischen KZ-Häftlinge trägt.

Stories

Ausgewählte Grabmale

Gedenkstätte der Sozialisten

Gräberanlage Pergolenweg

Künstlergräber

Feierhalle

Die ehemalige Urnenhalle

Das Revolutionsdenkmal

Der Ehrenhain

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Familiengrabstätte von Bleichröder

Nur ein einfacher Gedenkstein aus poliertem Granit erinnert heute an die Grabstätte der Familie v. Bleichröder. Das 1913 errichtete, von einer mächtigen Kuppel überdachte Familienmausoleum (s. Abb. rechts), geschmückt mit Plastiken der Berliner Bildhauer Hans Latt (1859 - 1946), wurde auf Anregung Wilhelm Piecks 1950 abgetragen, denn es ragte über die Mauer der Gedenkstätte der Sozialisten und störte den erwünschten Gesamteindruck der Gedenkstätte.

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabmal Paul Meyerheim

Der Maler Paul Meyerheim (1842-1915) leitete an der Berliner Hochschule für Bildende Künste seit 1883 die Tiermalklasse und hatte an der Berliner Akademie der Künste seit 1887 einen Lehrstuhl inne. Neben Landschaften schuf Meyerheim Porträts, Genre- und Tierbilder. Für letztere fand er seine Motive im Berliner Zoo; besonders gern stellte er Affen, denen er häufig menschlich-parodistische Züge verlieh, und majestätische Löwen dar, was ihm den Beinamen "Löwen-Meyer" eintrug.

© 2005 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmal Friedrich Simon Archenhold

Vor der Feierhalle, auf der rechten Seite der Ahornallee, liegt die Grabstätte des Astronomen Friedrich Simon Archenhold (1861-1939), Mitbegründer der seit 1946 nach ihm benannten Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow.

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabmal Simon Blad

Das Grabmal für den jüdischen Kaufmann Simon Blad (1818 – 1896), der sein Vermögen der Stadt Berlin zur Verwendung für soziale Einrichtungen hinterließ, gehört zu den künstlerisch hochrangigen Beispielen der Sepulkralkultur in Friedrichsfelde. Die Grabstele nach einem Entwurf von Ludwig Hoffmann (1852-1932), Berliner Stadtbaurat von 1896-1924, zeigt auf einer Bronzetafel die Figur des Verstorbenen, 1909 von dem Bildhauer August Vogel.

© 2005 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabstätte der Familie v. Wangenheim-Winterstein

An der Ecke des Rondells zur Mittelallee befindet sich die Grabstätte der Familie v. Wangenheim-Winterstein. Mit nahen Angehörigen ruhen hier die Schauspieler Eduard v. Winterstein (eigentl. E. Freiherr v. Wangenheim), seine Ehefrau Hedwig (1866-1965) und der Sohn Gustav v. Wangenheim, der auch Regisseur war.

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Das Kolumbarium der Familien Vohsen / von den Steinen

Auf einem Hügel am östlichen Rand des Friedhofs steht das monumentale Kolumbarium der Familien Vohsen / von den Steinen. Das ca. zehn Meter hohe Bauwerk wird nicht mehr als Urnenstätte genutzt. In der um 1912 erbauten Grabstätte ruhten u.a. der Konsul und Verleger Ernst Vohsen (1853 – 1919) sowie der Mediziner, Forschungsreisende und Ethnologe Karl von den Steinen (1855 – 1929), dessen zahlreiche Veröffentlichungen erheblich zur Popularisierung der Völkerkunde in Deutschland beitrugen.

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabmal Ruschin-Spira

Die bekannte Schauspielerin Steffi Spira (1908-1995) gehörte zu den Rednern auf der Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989.

© 2007 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabmal Willi Schneider

Der kaufmännische Angestellte Willi Schneider (1907-1931) war Mitglied der SPD und Angehöriger des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, gegründet 1924 zum Schutz der Weimarer Republik gegen Rechts- und Linksextremismus. Willi Schneider wurde in der Silvesternacht 1930 bei einem Übergriff der SA erschossen; am Wohnhaus in der Hufelandstr. 39 erinnert seit 1957 eine Gedenktafel an den Ermordeten.

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabmal Paula Thiede

Aus der Zeit der Weimarer Republik stammt das in Form eines Triptychons aus Muschelkalkblöcken gestaltete Grabmal für die Gewerkschaftsvorsitzende Paula Thiede (1870–1919), eine Vorkämpferin gewerkschaftlicher Frauenarbeit. Seit März 2007 ziert den Mittelteil des Grabmals eine gläserne, dem Stein vorgesetzte Replik des verschollenen Bronzereliefs, die die Künstlerin Erika Klagge im Auftrag der Gewerkschaft ver.di schuf.

© 2007 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabmale H. Mächtig und A. Fintelmann

Seine letzte Ruhestätte in Friedrichsfelde fand auch der Gestalter des Friedhofs, des Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig (1837–1909). Das Grab von Axel Fintelmann (1848-1907) ist nur wenige Schritte von Mächtigs entfernt. Fintelmann stammte aus einer der bekanntesten Königlichen Hofgärtnerfamilien in Preußen. Sein Grabmal (Abb. links) - das Porträtrelief ist ein Werk des Bildhauers Albert August Manthe (1847-1929) - würdigt ihn als "Förderer der Gartenkunst".

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte Martin Kirschner

Die Grabstelle des Politikers und Berliner Oberbürgermeisters Martin Kirschner (1842-1912) (Ehrengrabstätte des Landes Berlin) ist auf seine eigene Verfügung namentlich nicht gekennzeichnet. In dem Familiengrab sind auch seine zwei Schwiegersöhne, Richard Rive (1864-1947), langjähriger Oberbürgermeister von Halle (Saale), und Generalleutnant Otto Stobbe (1870-1941), beigesetzt.

© 2005 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabstätten J. Rodenberg und E. A. Friedel

Anfang der 1970er Jahre wurden die Grabstätten für den Verleger und Schriftsteller Julius Rodenberg (1831-1914) (das Medaillon auf dem Grabstein war ein Werk des Bildhauers Hugo Lederer) und den Juristen Ernst August Friedel (1837-1918), von 1872 bis 1896 Stadtrat für Bauwesen in Berlin, aufgehoben und eingeebnet. Heute erinnert eine Gedenktafel an die hier Beigesetzten.

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte F. C. Weiskopf u. A. Wedding

Grabstätte des Schriftstellerehepaares Franz Carl Weiskopf (1900-1955) und Grete Weiskopf (1905-1966), Pseudonym Alex Wedding. Zwei Preise der Akademie der Künste erinnern an das Schriftstellerehepaar: Mit dem 1956 von Alex Wedding ins Leben gerufenen F.-C.-Weiskopf-Preis werden Schriftsteller ausgezeichnet, deren Werk sprachkritisch und sprachreflektierend ist, und der Alex-Wedding-Preis wird für Kinder- und Jugendbücher vergeben.

© 2005 Fiona Laudamus | HORTEC

Ausgewählte Grabmale

Dringend notwendige Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen auf dem Friedhof konnten in den Jahren 2004 und 2005 mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin unter finanzieller Beteiligung des Landesdenkmalamts Berlin und des Bezirksamts Lichtenberg ausgeführt werden. U.a. wurden einzelne Grabdenkmale restauriert und vor dem weiteren Verfall bewahrt. Dazu gehörten u.a. die Grabmale des Malers Paul Meyerheim, des Reichsbannermannes Willi Schneider, der Gewerkschaftsführerin Paula Thiede sowie das Kolumbarium der Familien Vohsen/von den Steinen.

 

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Inneres Rondell der Gedenkstätte

© 2009 Holger Hübner | Holger Hübner

Der Grabstein für Wilhelm Liebknecht

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Der Grabstein für Paul Singer

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Der Grabstein für Emma Ihrer

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Der Grabstein für Ignaz Auer

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Der Grabstein für Hermann Müller-Franken

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Die Urnengräber in der Ringmauer

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Gedenkstätte der Sozialisten

Die 1951 eingeweihte Gedenkstätte der Sozialisten im Eingangsbereich des Friedhofs entstand auf Initiative des ersten Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck, der auch gleich eine Ideenskizze lieferte. Die Architekten Richard Jenner und Hans Mucke setzten gemeinsam mit dem Garten- und Landschaftsarchitekten Reinhold Lingner den Auftrag um. Es entstand eine kreisförmige, von einer Klinkermauer gefasste Anlage, in deren Mitte sich ein vier Meter hoher Monolith aus rotem Porphyr mit der Inschrift "Die Toten mahnen uns" erhebt. Im Zusammenhang mit der Errichtung der Gedenkstätte kam es zu einer Neugestaltung des Friedhofeingangs, eine Lösung, die sich der neuen räumlichen Situation anpasste.

In der Mitte der Gedenkstätte der Sozialisten liegen zehn Grabplatten zum Gedenken an die Mitbegründer der KPD Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Franz Mehring, an die Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid und Franz Künstler, an Ernst Thälmann und John Schehr von der KPD sowie an die SED-Funktionäre Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl und Walter Ulbricht. In die Ringmauer der Gedenkstätte sind auf der linken Seite 23 Grabsteine von Sozialdemokraten, die schon früher dort beigesetzt waren, eingefügt. Darunter befinden sich die Grabsteine für Wilhelm Liebknecht (1826-1900), Paul Singer (1844-1911), Emma Ihrer (1857-1911), Ignaz Auer (1846-1907) und Hermann Müller-Franken (1876-1931). 1950 beschloss das Politbüro der SED, verdiente Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung in der Gedenkstätte zu bestatten, und behielt sich die Entscheidung vor, wer in der Ringmauer ein Ehrengrab erhalten sollte. 1951 wurde als erste die Urne Kurt Fischers beigesetzt. Insgesamt sind in der Ringmauer 68 Urnen bestattet, darunter sechs von Frauen.

 

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Die Grabstätte für Mitglieder der Familie Liebknecht

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Die Grabstätte von Greta Kuckhoff

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Die Grabstätte von Herta und Jacob Walcher

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Die Grabstätte von Adolph Hennecke

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Die Grabstätte von Michael Kohl

© 2006 Holger Hübner | Holger Hübner

Gräberanlage Pergolenweg

In dem Gräberfeld mit den einheitlich gestalteten Grabsteinen fanden neben Staats- und Parteifunktionären der DDR/SED bzw. deren Familienangehörigen auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur sowie Teilnehmer am Widerstand gegen das NS-Regime Aufnahme.

Von der großen Anzahl hier Bestatteter seien nur einige genannt. Hier ruhen Mitglieder der Familie Liebknecht: Karl Liebknechts zweite Ehefrau Sophie (1884-1964) gemeinsam mit den aus der Ehe von Julia und Karl Liebknecht stammenden Söhnen Wilhelm (1901-1975) und Robert (1903-1994) sowie dessen Frau Hertha (1904-2000). Beigesetzt sind hier Anna (1899-1978) und Max Christiansen-Clausen (1899-1979), die die Nachrichten des sowjetischen Spions Richard Sorge aus Japan in den Äther schickten. Hier ruht Greta Kuckhoff (1902-1981), Präsidentin der Deutschen Notenbank von 1950 bis 1958; sie und ihr Mann, der Dichter Adam Kuckhoff, waren Mitglieder der Widerstandsorganisation "Rote Kapelle"; Adam Kuckhoff wurde am 5.8.1943 im Alter von 55 Jahren in Berlin-Plötzensee mit fünfzehn weiteren Angehörigen der Widerstandsgruppe hingerichtet; seine Frau war vom Reichskriegsgericht zu einer Haftstrafe verurteilt und 1945 befreit worden. Weiterhin befinden sich im Pergolenweg die Grabstätten von Herta (1894-1990) und Jacob Walcher (1887-1970), die als ehemalige Mitglieder der KPD-Opposition bis zuletzt beargwöhnt wurden, von Adolph Hennecke (1905-1975), Symbolfigur der 1948 begründeten Aktivistenbewegung, und von Michael Kohl (1929-1981), Staatssekretär beim Ministerrat der DDR von 1965 bis 1973. In dieser Position verhandelte er 1971/72 mit Staatssekretär Egon Bahr den Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der BRD.

 

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Grabstätte Käthe Kollwitz (1867-1945) (Ehrengrabstätte des Landes Berlin)

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte Otto Nagel (1894-1967) (Ehrengrabstätte des Landes Berlin)

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte Reinhold Lingner (1902-1968) (Ehrengrabstätte des Landes Berlin)

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte Ludwig Renn (1889-1979)

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte Irmtraud Morgner (1933-1990)

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte Wolfgang E. Struck (1920-1989)

© 2005 Fiona Laudamus | HORTEC

Grabstätte Louis Rauwolf (1929-2003)

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Grabstätte Eva Görsch (1928-1985), links die Grabstätte des Schriftstellers Hansgeorg Stengel (1922-2003)

© 2005 Holger Hübner | Holger Hübner

Künstlergräber

Auf der Nordseite der Reihe sind beigesetzt: Der Redakteur Konrad Schmidt (Bruder von Käthe Kollwitz) und seine Frau Anna, der AEG-Direktor und Komponist Georg Stern sowie der Arzt Karl Kollwitz und seine Ehefrau, die Malerin, Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz, geb. Schmidt. Das Bronzerelief für das Familiengrabmal wurde 1936 von Käthe Kollwitz geschaffen, inspiriert von dem Goethewort "Ruht im Frieden seiner Hände". Der Maler Otto Nagel und seine Ehefrau Walli Nagel, am Grabmal jeweils der eigene Namenszug in Bronze, gestaltet von dem Bildhauer Gerhard Thieme. Die Bildhauerin Jenny Mucchi-Wiegmann und ihr Gatte, der Architekt, Ingenieur, Designer und Maler Gabriele Mucchi. Der Schriftsteller Paul Wiens, das Grabmal gestaltet von Wieland Förster. Der Schauspieler Norbert Christian, Mitglied des Berliner Ensembles. Der Schriftsteller und Gerichtsreporter Rudolf Hirsch. Der Karikaturist Louis Rauwolf. Der Schriftsteller Ludwig Renn und seine Freunde Max Hunger und Hans Pierschel. Auf der Südseite der Reihe sind beigesetzt: Der Landschaftsarchitekt Reinhold Lingner, der zu den großen Persönlichkeiten der Gartenarchitektur in der DDR gehörte und an der Gestaltung der 1951 eingeweihten Gedenkstätte der Sozialisten mitwirkte, und seine Ehefrau Alice Lingner. Es ruhen hier der Maler und Graphiker Leo Haas, der Regisseur Paul H. Freyer, der Kinderbuchautor Gerhard Hardel, die TV-Dramaturgin Eva Görsch, der Schriftsteller Hansgeorg Stengel, der Schriftsteller Eduard Klein, der Regisseur Janos Veiczi, der stellvertretende Intendant des Deutschen Theaters Walter Kohls, der Schriftsteller Herbert Nachbar, der Jugendbuchautor Hans Weber, der langjährige Intendant des Friedrichstadtpalasts Wolfgang E. Struck sowie die Schriftstellerin Irmtraud Morgner.

 

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Die Feierhalle im Originalzustand, 1896

©  Landesarchiv Berlin | Landesarchiv Berlin

Die in ihrem Aufbau reduzierte Feierhalle, 2007

© 2007 Holger Hübner | Holger Hübner

Feierhalle

Zu den wenigen Bauwerken des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde gehört die in den Jahren 1890-1893 erbaute Feierhalle. Der Entwurf für die Kapelle mit Trauer- und Leichenhalle stammte von dem Architekten Hermann Blankenstein (1829-1910). Das Bauwerk war als Zentralbau in Kreuzform im Anklang an die Romanik errichtet. Die schlichte, von Rundbögen und -fenstern gegliederte Backsteinfassade wurde von der mächtigen Rundkuppel des Zentralbaus gekrönt.

Hermann Blankenstein war von 1872-1896 Stadtbaurat und Leiter der Berliner Hochbauverwaltung. Berlin verdankt ihm ein fast nicht zu überschauendes Werk an öffentlichen Bauten. Nach seinen Entwürfen errichtet wurden Schulen, Krankenhäuser (Griesinger-Krankenhaus, Urban-Krankenhaus), Heilanstalten, Markthallen (z.B. in der Ackerstraße), Feuerwachen, Straßenreinigungsdepots und der ehemalige Zentrale Vieh- und Schlachthof an der Landsberger Allee. Jedes dieser Gebäude zeigte unverkennbar die Handschrift des Architekten: die unverputzten Fassaden wurden in Ziegelstein ausgeführt und erhielten als Schmuck meist vorgefertigte Terrakotta-Ornamente.

 

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Die Urnenhalle, 1896

©  Landesarchiv Berlin | Landesarchiv Berlin

Die ehemalige Urnenhalle

Der Kuppelbau der Urnenhalle streckte sich über einem kreisförmigen Grundriss ca. 13,5 Meter in die Höhe. Das Gebäude war in zwei Ebenen gegliedert: das Untergeschoss war als Souterrain ausgebildet und ebenerdig zu erreichen, das Obergeschoss lag 1,50 Meter über Terrain und erschloss sich über eine breite Granittreppe. In beiden Geschossen zusammen konnten ca. 800 Urnen beigesetzt werden. Den tempelartigen Charakter des Gebäudes unterstützte im Obergeschoss die Fassadengliederung durch Dreiviertelsäulen. Während der Luftangriffe auf Berlin im Jahr 1945 wurde die Urnenhalle sehr stark beschädigt und in den 1950er Jahren dann abgetragen.

 

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Das Revolutionsdenkmal, um 1930

©  Landesarchiv Berlin | Landesarchiv Berlin

Gedenkkundgebung am 13. Januar 1946 in Friedrichsfelde, am Rednerpult Wilhelm Pieck

Zu dieser Feier, der ersten seit 1933, wurde aus einem Holzgerüst und Stoffplanen das Revolutionsdenkmal provisorisch nachgebildet.

© 1946 BArch Y1-257/65 | Bildarchiv SAPMO

Das Erinnerungsmal, 1983

Rechts im Bild der Architekt Günter Stahn, links der Bildhauer Gerhard Thieme, der die Bronzeplatte gestaltete, die als Relief das ursprüngliche Monument wiedergibt.

© 1983 unbekannt | Archiv Günter Stahn

Das Revolutionsdenkmal

Der Entschluss, für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sowie die anderen Opfer der Januarkämpfe von 1919 auf dem Friedhof in Friedrichsfelde ein Denkmal zu errichten, war in der KPD 1923/24 herangereift. Zunächst war ein traditionelles Denkmal vorgesehen.

Der der KPD angehörende Historiker und Kunstsammler Eduard Fuchs (1870-1940) sorgte jedoch dafür, dass der damals noch recht unbekannte Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) seinen unkonventionellen Entwurf umsetzen konnte. Das durch Spenden finanzierte Denkmal wurde im Sommer 1926 feierlich enthüllt. Mies van der Rohe hatte einen rechteckigen Block von ca. zwölf Meter Länge, vier Meter Breite und sechs Meter Höhe entworfen. Die architektonische Monumentalität des Blocks wurde verstärkt durch die vor- und zurückspringenden, teils breit gelagerten Kuben, die der Oberflächenstruktur zugleich ein Gefühl von Bewegung und Stabilität verliehen. Das Denkmal war als Eisenbeton- oder Stahlbetonkonstruktion errichtet und mit Klinkern im Oldenburger Format (220 x 105 x 52 mm) verblendet. Als plastische Elemente befanden sich auf der rechten Vorderseite des Denkmals ein Sowjetstern mit Hammer und Sichel sowie eine Befestigung für die Fahnenstange. Im Januar 1935 zerstörten die Nationalsozialisten das Revolutionsdenkmal zusammen mit den meisten umliegenden Grabsteinen. Die Gräber an dem bis auf das Fundament geschleiften Denkmal wurden 1941 eingeebnet und der Bereich zur Neubelegung freigegeben. Dadurch sollten die letzten Hinweise auf diese Gedenkstätte verschwinden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden wieder die traditionellen Kundgebungen an provisorischen Mahnmalen am Ort des einstigen Revolutionsdenkmals statt. Nachdem die neu geschaffene Gedenkstätte der Sozialisten 1951 eingeweiht war, geriet der frühere Standort jedoch in Vergessenheit.

 

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Gräberanlage für Opfer des Faschismus und Verfolgte des Naziregimes

© 2007 Holger Hübner | Holger Hübner

Der Ehrenhain

Am 29. Januar 1978 wurde der Ehrenhain für Verfolgte des Naziregimes (VdN-Ehrenhain) eingeweiht. Damit sollte den Überlebenden des Widerstands gegen den Nationalsozialismus eine würdige Begräbnisstätte geschaffen werden. Mit dieser Gräberanlage ist der Zentralfriedhof seither zu der größten Berliner Begräbnisstätte von Verfolgten und Widerstandskämpfern geworden.

Die Urnengräber sind mit stehenden oder liegenden Granitsteinen versehen, die - ähnlich wie in der Gedenkstätte der Sozialisten und im Pergolenweg - nur den Namen sowie Geburts- und Todesjahr der hier Beigesetzten enthalten. In der Gräberanlage für Opfer des Faschismus und Verfolgte des Naziregimes befinden sich inzwischen ca. 900 Urnengrabstellen, die für jeweils zwei Urnen vorgesehen sind. Auch heute noch werden hier anerkannte Opfer des Nationalsozialismus beigesetzt.

 

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Gedenkstätte der Sozialisten, Zentralfriedhof Friedrichsfelde


Am 21. Mai 1881 wurde der "Städtische Gemeindefriedhof für Berlin" in Friedrichsfelde feierlich eingeweiht. Die Stadt Berlin hatte das 25 Hektar große, damals noch außerhalb der Stadtgrenze liegende Areal erworben, da die innerstädtischen Friedhöfe an die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit stießen.

Der Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig (1837-1909), ein Schüler Peter Joseph Lennés, und der Königliche Gartenbaudirektor Axel Fintelmann (1848-1907) orientierten sich bei der Anlage des Friedhofs an dem 1877 eröffneten und als Landschaftspark gestalteten Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.

Der Friedhof in Friedrichsfelde stand für "alle Bekenntnisse und sozialen Schichten" offen. Seit der Beisetzung von Wilhelm Liebknecht (1826-1900) entwickelte sich Friedrichsfelde zum bevorzugten Begräbnisort führender Vertreter der Arbeiterbewegung. Vertreter der Gründergeneration der deutschen Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung fanden im vorderen Teil ihre letzte Ruhestätte (zum Beispiel Ignaz Auer, Paul Singer, Carl Legien, Theodor Leipart).

Mit der Bestattung von Karl Liebknecht (1871-1919) und Rosa Luxemburg (1871-1919) sowie weiterer Opfer der politischen Auseinandersetzungen vom Januar 1919 entstand im hinteren Teil des Friedhofs eine Gedenkstätte der KPD und ihrer Anhänger. Das vom späteren Bauhausdirektor Ludwig Mies van der Rohe entworfene und 1926 eingeweihte Revolutionsmonument gehörte zu den architekturgeschichtlich bedeutsamen Beispielen moderner Denkmalbauten. Das NS-Regime ließ die Anlage 1935 niederreißen und die Gräber einebnen. Der Standort ist seit 1983 durch eine Gedenkstele markiert.

Die 1951 eingeweihte "Gedenkstätte der Sozialisten" entstand auf der Basis mehrerer Beschlüsse des Magistrats. Der Landschaftsarchitekt Reinhold Lingner und die Architekten Richard Jenner und Hans Mucke waren mit der Ausführung beauftragt. Großen Einfluss auf die Gestaltung der Gedenkstätte nahm der Präsident der DDR Wilhelm Pieck, der sich praktisch alle Entscheidungen vorbehielt.

Heute umfasst der Friedhof 32 Hektar. Sein Wegesystem, die "Gedenkstätte der Sozialisten" und viele Einzelgräber stehen unter Denkmalschutz. Als letzte Ruhestätte bedeutender Persönlichkeiten und Repräsentanten der Zeitgeschichte ist der Zentralfriedhof Friedrichsfelde ein Spiegel politischer Ereignisse und geistig-kultureller Strömungen des 20. Jahrhunderts.


Dieser Beitrag wurde verfasst von Jürgen Hofmann | Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin Friedrichsfelde e.V. unter Mitarbeit bzw. Verwendung von Texten folgender Autoren: Fiona Laudamus.


Quellenangaben

Im Jahr 2006 erschien die Broschüre von Prof. Dr. Jürgen Hofmann
„Zentralfriedhof Friedrichsfelde Berlin“
(Fotos: Florian Bolk), Preis 2,50 EURO
(Stadtwandel Verlag, Die Neuen Architekturführer Nr. 91
ISBN 3-93712373-3)


© 2012 Alle Rechte vorbehalten. • Letzte Aktualisierung am 29.08.2012.

Adresse

Gudrunstraße 20
10365 Berlin (Lichtenberg)

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Zugang / Eintrittspreise

Der Haupteingang befindet sich an der Gudrunstraße.

Öffnungszeiten

Februar bis November ab 7.30 Uhr
Dezember bis Januar ab 8.00 Uhr
jeweils bis zur Dämmerung

Anfahrt

ÖPNV

U- und S-Bhf. Lichtenberg, S-Bhf. Friedrichsfelde-Ost (ca. 10 - 15 Minuten Fußweg)
Bus 256 (ab S-/U-Bf. Lichtenberg, Ausgang zur Siegfriedstraße Ecke Frankfurter Allee, im 20-Minuten-Takt; nur Montag - Freitag). Die bisherige Ringlinie 193 wurde zum 4.6.2012 eingestellt.
Straßenbahn 18 und 21 (Haltestelle Guntherstraße [Fanningerstraße/Gernotstraße]) - anschl. ca. 7 - 10 Minuten Fußweg)

PKW

Die Zufahrt mit dem Auto erfolgt
von Westen, Osten und Süden über Frankfurter Allee - Atzpodienstraße - Rüdigerstraße - Gudrunstraße,
von Norden über Landsberger Allee - Siegfriedstraße - Rüdigerstraße - Gudrunstraße.

Projektdaten

Größe 32 ha


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Planung & Konzeption

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